Wie hängen Ungleichheiten bei KI-Nutzung und Weiterbildung zusammen?
2026 · Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Kap. C6.2
Abstract
Auf Basis der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 (N = 15.333) untersucht der Beitrag, wie KI-Nutzung und Weiterbildungsteilnahme nach Anforderungsniveau, Branche und Betriebsgröße verteilt sind und wie beide Ungleichheiten zusammenhängen. KI-Nutzung und Weiterbildung erweisen sich als eng verknüpft — Weiterbildung kann technologiebezogene Ungleichheit jedoch nur dann verringern, wenn sie gezielt KI-relevante Kompetenzen vermittelt.
KI-Nutzung am Arbeitsplatz ist 2024 stark nach dem Anforderungsniveau der Tätigkeit verteilt — ebenso wie der Zugang zu Weiterbildung. Dieser Beitrag fragt, wo beide Ungleichheiten besonders ausgeprägt sind und wie sie zusammenhängen. Datengrundlage ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 (N = 15.333 abhängig Beschäftigte).
Befund 1
Beide Ungleichheiten steigen mit dem Anforderungsniveau
Wie viele Beschäftigte KI nutzen, hängt stark vom Anforderungsniveau ab: Auf Helferniveau sind es 2024 nur 4,7 %, auf Expertenniveau 37,4 %. Fasst man die Niveaus zu zwei Gruppen zusammen, ergibt sich eine KI-Nutzungsungleichheit von 23,9 Prozentpunkten. Die Weiterbildungsteilnahme verläuft ähnlich gestaffelt (32,4 % gegenüber 72,3 %), die Ungleichheit fällt mit 15,2 Prozentpunkten aber kleiner aus. Der Kontext lässt sich unten wechseln — von der Gesamtschau bis zu einzelnen Branchen und Betriebsgrößen.
Kontext wählen — die vier Anforderungsniveaus werden gegenübergestellt:
Ungleichheit = Differenz zwischen zusammengefassten höheren (Spezialist/Experte) und niedrigeren (Helfer/Fachkraft) Anforderungsniveaus, in Prozentpunkten. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024, N = 15.333 (gewichtet, Tab. C6.2-1 u. C6.2-2).
Im Kern: Beide Ungleichheiten verlaufen entlang des Anforderungsniveaus — die KI-Nutzung steigt dabei deutlich steiler an als die Weiterbildungsteilnahme.
Befund 2
Wo beide Ungleichheiten zusammenfallen
Legt man beide Ungleichheiten nebeneinander, treten klare Muster zutage. Im Handel fallen KI- und Weiterbildungsungleichheit gemeinsam besonders hoch aus. Im Öffentlichen Dienst, in der Industrie und in großen Betrieben liegen beide unter dem Durchschnitt. Andere Kontexte sind einseitig: Im Handwerk ist vor allem die Weiterbildung ungleich verteilt, in der sonstigen Dienstleistung vor allem die KI-Nutzung. Das verweist auf die Rolle des betrieblichen Kontexts für die Chancen beim Zugang zu neuen Technologien wie zu Weiterbildung.
Senkrechte/waagerechte Linie = Gesamtdurchschnitt (KIU 23,9 pp, WBU 15,2 pp). Ungleichheit = Differenz höheres vs. niedrigeres Anforderungsniveau. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024, N = 15.333 (Schaubild C6.2-1).
Im Kern: Handel und große Betriebe markieren die Gegenpole — beide Ungleichheiten gemeinsam hoch beziehungsweise gemeinsam niedrig. Der betriebliche Kontext entscheidet mit über die Chancen.
Befund 3
Weiterbildung hängt mit KI-Nutzung zusammen — differenziert nach Niveau
Beschäftigte, die an non-formaler Weiterbildung teilgenommen haben, nutzen häufiger KI. Der Zusammenhang wird kleiner, sobald das Anforderungsniveau berücksichtigt wird, bleibt aber bestehen — und ist auf niedrigem wie hohem Niveau ähnlich stark (rund 6–7 pp). Anders die Zufriedenheit mit den Weiterbildungsmöglichkeiten: Sie geht nur auf hohem Anforderungsniveau mit stärkerer KI-Nutzung einher. Zwischen beiden Größen lässt sich unten umschalten.
Zusammenhang von Weiterbildungsteilnahme mit der KI-Nutzung (Prozentpunkte)
Lesebeispiel (Modell 3): Eine Teilnahme an non-formaler Weiterbildung geht auf niedrigem Anforderungsniveau mit einer um 6,1 pp höheren KI-Nutzung einher, auf hohem Niveau mit 6,9 pp — der Zusammenhang ist also auf beiden Ebenen ähnlich stark.
Durchschnittliche marginale Effekte aus linearen Wahrscheinlichkeitsmodellen, Punktschätzer mit 95%-Konfidenzintervall (Balken). Modell 3 kontrolliert für Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Schulabschluss, Teilzeit, Region, Betriebsrat, Betriebsgröße und Wirtschaftsbranche. *** statistisch signifikant (p < 0,001), n. s. = nicht signifikant. Querschnittdaten — assoziative, keine kausale Interpretation. Quelle: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024, N = 15.333 (Schaubilder C6.2-2 u. C6.2-3).
Im Kern: Weiterbildung und KI-Nutzung hängen robust zusammen. Dass die Zufriedenheit nur „oben“ zählt, passt dazu, dass Weiterbildung auf hohem Niveau häufiger KI-relevante Kompetenzen vermittelt.
Fazit
Weiterbildung als Hebel — unter Bedingungen
KI-Nutzung und Weiterbildung sind eng verknüpft und beide stark nach Anforderungsniveau geschichtet. Weiterbildung kann technologiebezogene Ungleichheit verringern — allerdings nur, wenn sie gezielt die für die KI-Nutzung nötigen Kompetenzen vermittelt. Andernfalls könnte die Kompetenzkluft zwischen den Anforderungsniveaus mit der Verbreitung von KI weiter wachsen.
Literatur
Literaturangaben des Beitrags
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Vollständige Nachweise im Literaturverzeichnis des Beitrags im Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026 (Kap. C6.2).