Betriebliche Weiterbildungsungleichheit
Die Rolle von Aushandlungspotenzial, Personalstrategien und Feldeinflüssen
Dissertation, Freie Universität Berlin
Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher und technologischer Transformationen ist non-formale berufliche Weiterbildung eine Schlüsselressource für Beschäftigungssicherheit und soziale Teilhabe — doch ihr Zugang ist in Deutschland hochgradig ungleich verteilt. Betriebe nehmen dabei eine doppelte Schlüsselrolle ein: Schon der Zugang zu einem weiterbildenden Betrieb ist sozial selektiv (Barriere 1), und innerhalb der Betriebe sind vor allem Beschäftigte mit einfachem Tätigkeitsniveau benachteiligt (Barriere 2). Warum sie seltener teilnehmen — und unter welchen betrieblichen Bedingungen sich diese Lücke schließt — erklärt die Arbeit mit einem relationalen Ungleichheitsansatz, erweitert um neo-institutionelle und transaktionskostentheoretische Perspektiven. Drei Einflussbereiche werden empirisch greifbar gemacht: das relationale Aushandlungspotenzial der Beschäftigtengruppen, die betrieblichen Personalstrategien und die Feldeinflüsse aus dem organisationalen Umfeld. Auf Basis des BIBB-Qualifizierungspanels (2018–2019, N = 1.960) entsteht eine Typologie von sechs betrieblichen (Un-)Gleichheitsregimen — und die Identifikation zweier gegensätzlicher Wege zu mehr Chancengleichheit: ein proaktiv-investiver und ein reaktiv-umverteilender Pfad.